Unser Statement zur Mühlbauer-Katze

Offizielle Erklärung von Mühlbauer und von Mona Hahn
Wir haben vor einigen Jahren beschlossen, für die In-Bild-Setzung unserer Hutkollektionen auf das Erwartbare, auf klassische Modefotografie, im wesentlichen also auf das Ablichten von Models bzw. von unerreichbarer Schönheit zu verzichten und Künstlerinnen und Künstler einzuladen, ein Bild zur jeweiligen Kollektion zu gestalten, in welchem es um die Auseinandersetzung mit dem Thema Hut/Hutkollektion/Kopfbedeckung in weiterem oder engerem Sinne geht. Dadurch bekommen wir jede Saison wieder Bilder von ganz anderer Qualität als es ein Modefoto je erreichen kann. Damit haben wir uns aber natürlich auch insofern auf ein Experiment eingelassen, als die Künstlerinnen und Künstler in ihrer Arbeit frei sind und nicht darauf Rücksicht nehmen sollen und müssen, ob uns das Bild gefällt bzw. ob wir es gut finden. Natürlich laden wir solche Künstler ein, deren Arbeit wir insgesamt gut finden.
Das angesprochene Bild ist von der Künstlerin Mona Hahn. Ihre Arbeit zitiert einen für unsere Kollektion Frühling Sommer 2011 entworfenen Stoff mit Blumendruck. Wie Mona Hahn das gemacht hat, ist - zugegebener Weise - ganz schön heftig. Auch uns hat es beim ersten Mal Ansehen ziemlich gerissen. Und wie wir uns versichert haben, ging es der abgebildeten Katze während des Shootings gut, und es geht ihr jetzt gut.
Mona Hahn schreibt zu ihrer Arbeit für Mühlbauer:

"Es ist durchaus beabsichtigt, mit diesem Sujet zum Denken anzuregen.  
Im Rahmen meiner Arbeit sah ich es geradezu als Verpflichtung, der Auseinandersetzung mit einem Thema nicht ausweichen, das sich für jeden produzierenden Betrieb stellen muss - und dem Mühlbauer sich auch sehr intensiv widmet: Jenem der Bedingungen, unter denen Produkte entstehen, der Frage nach Materialien, Zulieferern, Ethik und Corporate Responsibility. Auch etwa bei Pelz, Seide oder Filz.
Mit Klaus Mühlbauer führte ich lange und sehr anregende Gespräche darüber, welche Philosophie er hier zu Grunde legt. So klar, konsequent und durchaus nachvollziehbar mir die hier von Seiten der Firma Mühlbauer angelegten Kriterien zu sein scheinen, umso widersprüchlicher und willkürlicher erschien mir zu diesem Thema die öffentliche Diskussion, die mediale Behandlung dieser Fragen, die oft durch ein extremes Schüren von Emotionen gekennzeichnet ist und dadurch in einer (vor-)schnellen Be- oder Verurteilung mündet.
Im allgemeinen beschäftigen mich in meiner Arbeit gesellschaftliche Fragen, in denen es bei näherer Betrachtung keine einfach einzunehmende Haltung gibt, sondern die das Potential und die Notwendigkeit einer Verhandelbarkeit besitzen, mit aller dazu gehörenden Toleranzbereitschaft und auch der Notwendigkeit, klar Position zu beziehen.
Es ist Teil meiner meiner Arbeitsmethodik, solche Fragen und Diskussionen mit künstlerischen Mitteln zuzuspitzen und dadurch wenn möglich den Blick wieder frei zu machen - sie diskutierbar zu machen. Es war mir wichtig, die "übliche" Bildsprache und damit auch die Mechanismen, mit denen derartige Fragen behandelt werden, aufzudecken.

So können Bilder täuschen.

Denn über die Produktionsbedingungen des Fotos, die offenbar mehr Anteilnahme auslösen als die dahinter stehenden grundsätzlich bedeutenden Fragen - - und das sagt viel darüber aus, wie leicht eine Diskussion vom Wesentlichen weg gelenkt werden kann über das Auslösen des bekannten und so häufig benutzten "Knut"-Effekts - muss man sich jedenfalls keine Sorgen machen: Auf dem Foto ist meine eigener, nun fast zwanzigjähriger Kater "Cédric" abgebildet, ein ehemaliger Pariser Straßenkater. Er lässt sich gerne fotografieren und "spielt" gut vor der Kamera, wie beim Sujet für die Sommerkollektion der Firma Mühlbauer offenbar wird. Dass aus dem alten, mageren Cedric dank der Mühlbauer-Sommerkollektion 2011 dann auch noch ein Model à la mode wird, kann natürlich auch als Referenz an die manchmal doch seltsamen Schönheitsideale der Modewelt gesehen werden."

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